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Auf die Inhalte kommt es an

Top-Medienmacher auf dem Print Media Dialog 2007

Vielfältig und komplex sind Fragen, die sich um die zukünftige Entwicklung von Printmedien drehen - und dann doch wieder ganz einfach: Was kann, was sollte Print leisten, was andere Mediengattungen nicht können? Oder provokanter: Was rechtfertigt gedruckte Medien angesichts eines ständig wachsenden Medienangebots und folglich sinkenden Zeitbudgets für die Nutzung?

Dass dies nicht bloß theoretische und branchenspezifische, sondern jeden Mediennutzer betreffende Fragestellungen sind, unterstrich die Heidelberger Druckmaschinen AG durch die hochkarätige Besetzung von Podium und Vortragsreihe ihres diesjährigen Print Media Dialogs. Nach dem Motto "Print positioniert sich für die Zukunft" diskutierten unter der Moderation von Ex-Staatssekretär Rezzo Schlauch in der Print Media Academy in Heidelberg unter anderem Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Stern-Chefredaktion, Ulrich Reitz, Chefredakteur der WAZ und Günther Nonnenmacher, Herausgeber der FAZ.

Der eindeutige Befund: Viele Printmedien, allen voran lokale und regionale Tages- und Wochenzeitungen, aber auch Special-Interest-Magazine, folgen dem medialen Mainstream, der Boulevardisierung und Vereinfachung. "In dieser Diskussion hängt Deutschland international hinterher: Ich fordere eine Qualitätsoffensive für Online- wie für Printmedien", erklärte Jörges. Die Onlinekommunikation sei zwar "ein Reich der Freiheit", bestätigten die Vertreter der gedruckten Worte und Bilder, im Web fehle jedoch jegliche Gewährleistung für Richtigkeit und Ehrlichkeit.
Dr. Jürgen Rautert begrüßte die Gäste
Verbürgte und geprüfte Inhalte, Erklärung und Einordnung in Zusammenhänge, breites Themenspektrum und die Konfrontation mit unerwarteten Inhalten sind die Faktoren, die Lesernutzen und Glaubwürdigkeit bestimmen. Printmedien beanspruchen üblicherweise diese Attribute handwerklicher (journalistischer) Qualität für sich. Ob sie diese jedoch immer einlösen, steht auf einem anderen Blatt. So bezog Julius Endert, Redaktionsleiter von "handelsblatt.com", eben jene Qualitätsmerkmale auch und gerade auf das Onlinemedium, zumindest das hauseigene, u .a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Infoportal "Der elektrische Reporter" und den Onlineauftritt der Tageszeitung Handelsblatt.

Wilfried Lülsdorf, Chefredakteur Corps-Verlag, und Ulrich Reitz (WAZ) schlagen andere Wege ein, um Qualität und Lesernutzen zu erzielen. Kundenmagazine (Corporate Publishing, CP), so Lülsdorf, müssten sich als ganz besonders nutzwertig erweisen, da sie ansonsten die Ziele des Auftraggebers, der Industrieunternehmen, verfehlen. Außerdem biete der Bereich CP die Möglichkeit, innovative Präsentationsformen und avantgardistische Konzepte Jahre im Voraus zu entwickeln. WAZ-Mann Reitz dagegen setzt auf konsequenten Qualitätsjournalismus, auf Recherche und Meinungsvielfalt via Print. Er hat das Konzept der konservativen Traditionsblätter des Ruhrgebiets, WAZ und NRZ, in kürzester Zeit völlig verändert. Seit November ergänzt und vernetzt außerdem das Onlineportal derwesten.de die lokale Berichterstattung "rund um den Kirchturm". Ob allerdings Analysemethoden wie das von Prof. Dr. Thomas Laukamm vorgestellte Reader Rating den Weg zu besseren Publishing-Inhalten weisen können, blieb offen - eine Entscheidungshilfe für Redaktionen stellt es jedenfalls dar. Michael Pfister, Kommunikationschef der Landes-bank Baden-Württemberg, unterstrich die große Akzeptanz von Printme-dien in der Finanzkommunikation. Traditionell wird Print die höhere Seriosität gegenüber elektronischen (Nebenbei-)Medien wie Radio, TV, Online unterstellt.

Ist Print also per se ein Hort von Wissen, Bildung und politischer Kultur, wie es beispielsweise die teils launigen Diskussionsbeiträge von FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher nahe legten? Das unausgespro-chene Fazit des spannenden und teils amüsanten Schlagabtauschs zwischen Top-Medienmachern über Inhalte, Nutzerverhalten und Wirkungsweisen von Print: Eine jede Mediengattung vertraue auf die eigenen Stärken. Radio ist schnell, Fernsehen auf einfache Weise unterhaltend, Online ein Meer der Möglichkeiten und effizienten Verlinkung. Print positioniert sich dagegen durch aktive und streitbare Gestaltung von Inhalten für die Zukunft. Die Mittel dazu sind gegeben: Story Telling durch das Zusammenspiel von Bild und Text, Optik, emotionale Ansprache, Leidenschaft, Hintergrund und Erklärung.

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Print Media Dialog 2007: Referenten

Hier finden Sie die Kurzportraits der Referenten. Mehr

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