7. Marketing-Dialog: Markenführung im Zeitalter der digitalen Kommunikation
Welche Auswirkungen haben neue Kommunikationsformen und
interaktive Techniken im Internet, Web 2.0 auf Marketing, Branding
und den Stellenwert klassischer Medien im Kommunikationsmix?
Der 7. Marketing-Dialog der Print Media Academy Heidelberg
fokussierte das Thema "Markenführung im Zeitalter der
digitalen Kommunikation". Andreas Gahlert, Leiter des
GWA-Arbeitskreises "Digitales Marketing" und als
Geschäftsführer der Frankfurter Agentur Neue Digitale ein
Pionier der Online-Kommunikation, referierte vor rund 200
Interessierten der Medienbranche.
Seine These: Die technologisch fortgeschrittene
Online-Kommunikation bietet dem Nutzer neue Formen von Dialog,
Beteiligung sowie Kontrolle über die Inhalte. Print wird dabei
aber seinen Stellenwert nicht verlieren.
Der Internetnutzer ist selbstbestimmter und aktiver, erstellt
und bearbeitet eigene Inhalte und greift gezielter auf
Informationen zu. Die Technologien dafür - Blogs, RSS,
Podcasts etc. - werden nicht zuletzt wegen der wachsenden Zahl
breitbandiger Internetzugänge weltweit immer besser
verfügbar. Interaktive Anwendungen, in denen sich Nutzer
präsentieren und äußern können, weisen
schwindelerregende Nutzungs- und Wachstumsraten auf. Beispiele sind
Webportale wie MySpace, OpenBC und YouTube.
Quelle der Erkenntnis: Nutzertracking
Fakt ist: Bei bestimmten Anwendungen wie zum Beispiel der
Entscheidungsfindung über die Anschaffung eines Automobils,
dem Buchen einer Reise, dem Bestellen von Medien wie Büchern,
CDs etc. hat der Online-Kanal die Nase vorn.
"Ich kann nur empfehlen, die jeweilige Zielgruppe bei Ihrer
Wanderung durch das Internet genau zu analysieren, ihr
zuzuhören und Botschaften zu adaptieren", erläuterte
Gahlert. "Wir haben festgestellt, dass die Nutzer meist nichts
gegen ihre Beobachtung haben. Menschen teilen gern mit, was sie
fühlen und mögen."
Usertracking, so Gahlert, liefere eine technische Basis nicht
nur für die Optimierung von Online-Auftritten, sondern auch
für die gezielte persönliche Ansprache. Als effizienteste
Methode erweist sich das Suchmaschinenmarketing: Die Kombination
von eingegebenen Suchbegriffen wird ausgewertet und in der Folge
passt sich die Zusammenstellung der vorgeschlagenen Seiten
automatisch an die Nutzerinteressen an. Ebenfalls sehr erfolgreich
ist das Targeted Marketing - durch User-Identifikation,
beispielsweise über Cookies oder Adserving, wird der Nutzer
aufgrund seiner Bewegungen auf der Seite bestimmten Mustern bzw.
Gruppen zugeordnet.
Marken auf dem Prüfstein
"In der digitalen Markenführung werden
Markenversprechen prüfbar gemacht", so Gahlert. Er
forderte die konzeptionelle Überprüfung und
gegebenenfalls den Neuansatz von Online-Präsenzen: Die
Wahrnehmung der Marke wird nicht mehr allein durch Inhalte und Key
Visuals gesteuert: Entscheidender sind die Wege und Plattformen,
auf denen der User seine Informationen erhält und sich seine
Meinung bildet.
Die Zukunft ist crossmedial
Bei den Werbeausgaben der letzten drei Jahre, ist eine
Verdreifachung im Online-Bereich festzustellen, während die
klassischen Medien verloren haben; TV weit mehr als Print! Die
Online-Werbung kann nur selten die einzige Alternative sein,
betonte Gahlert. Eine Verzahnung der Kanäle Print und Online
bringe starke crossmediale Effekte hervor.
Print setzt weiter starke Akzente, aber ändert sich
Print und Online: zwei Seiten einer Medaille? Nein, zwei
Disziplinen, die aufeinander angewiesen sind! So könnte das
Fazit des Heidelberger Marketing-Dialogs lauten. Denn Print
erfüllt Ansprüche, die online nicht geleistet werden
können. Print sorgt für sinnliche Erlebnisse, die
qualitativ hohe Inhalte noch steigern können - etwa durch
Haptik, Form und Optik. Journalistische Glaubwürdigkeit wie
auch Nachhaltigkeit der Information hat fast ausschließlich in
Printmedien ihre Heimat. Print ermöglicht den Nutzern
Orientierung und dient dem Agenda-Setting. Print, so Gahlert, setze
als Moment der Entschleunigung einen notwendigen Kontrapunkt im
Konzert der schnellen und flüchtigen Kommunikation.
Natürlich müsse Print sich weiterentwickeln, der
Leser noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Gefordert
ist eine Besinnung auf die eigentlichen Stärken: hohe
Glaubwürdigkeit, visuelles und haptisches Erlebnis.
Kontakt
Heidelberger Druckmaschinen AG
Print Media Academy
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