6. Marketing-Dialog: Porsche
Von der Macho-Marke zum Markenprimus - Wandel im
Markenmanagement bei Porsche von 1994 bis 2006
Vor den rund 200 Fachbe-
suchern des 6. Marketing-Dialogs der Print Media Academy
skizzierte Andreas Schlegel, das Marken-
management von Porsche.
Fragwürdiges Image, schwache Verkaufszahlen und nur
ein einziges Erfolgsmodell - Anfang der 90er Jahre sah Porsche
wie ein klassischer Übernahmekandidat aus. Doch mit einer
überarbeiteten Produktstrategie, einer integrierten
Markenführung und international abgestimmten
Kommunikationsstrategie haben die Stuttgarter den Turnaround
geschafft. Heute ist der kleinste unabhängige Autohersteller
der Welt gleichzeitig auch der profitabelste und kann auf eine
beispiellose Erfolgsgeschichte zurückblicken.
Bis Anfang der 90er Jahre galt Porsche vor allem als
sportlich, maskulin - und teuer. "Wir hatten damals
erhebliche Probleme und bangten um unsere
Unabhängigkeit", kommentierte Andreas Schlegel, Assistent
Vorstand Vertrieb und Marketing der Porsche AG, die damalige Lage.
Vor den rund 200 Fachbesuchern des 6. Marketing-Dialogs der Print
Media Academy in Heidelberg skizzierte der Marketingexperte, wie
Porsche mit einem professionellen Markenmanagement den Weg aus der
Krise schaffte und sich heute als Name etabliert hat, der wie kaum
ein anderer für Dynamik, Qualität und Innovation steht
und regelmäßig die einschlägigen Marken-Ranglisten
anführt.
"Ein positives Image ist keine
Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit", betonte
Schlegel gleich zu Anfang. Wie hart diese Arbeit gewesen sein muss,
zeigt der Blick zurück. Im Jahr 1994, laut Schlegel der
Tiefpunkt der Entwicklung, kriselte es nicht nur beim Image. Auch
in Sachen Umsatz, Verkaufszahlen und Portfolio standen die
Zuffenhausener alles andere als gut da. Mit knapp 16.000
verkauften Autos jährlich kam das Unternehmen nur auf rund ein
Sechstel des heutigen Absatzes. Mehr als 80 Prozent davon entfielen
auf ein Modell: den Porsche Carrera. "Unser
Geschäftserfolg hing allein vom Carrera ab",
erläutert Schlegel. "Den Porsche 928 und 968 verkauften
wir nur in homöopathischen Dosen." Der Gesamtumsatz 1994
belief sich auf knapp 1,2 Milliarden Euro, eine Summe, die deutlich
niedriger ist als der Jahresüberschuss des
Geschäftsjahres 2005/2006.
Erfolgreicher Strategiewechsel
Neben einer neuen Produktstrategie, der Prozessverbesserung
in Entwicklung und Produktion entschloss sich das Unternehmen, sein
Markenmanagement von Grund auf zu überarbeiten und eine
integrierte Markenführung und einheitliche Kommunikation zu
etablieren. "Eine weltweit durchgängige Umsetzung der
Kommunikationsstrategie führte schließlich zu dem
einheitlichen Markenimage, wie wir es heute haben",
erläuterte Schlegel. Erfolgreich sei dieser Strategiewechsel
aber nur deswegen gewesen, weil er sich in jedem der klassischen
"4P" des Marketing niederschlug: Product, Price, Place
und Promotion.
So passten sich die Zuffenhausener in Sachen Preis den
Marktbedingungen an und strafften ihre Produktpalette: Die 928er-
und die 968er-Reihe wurden Anfang der 90er Jahre eingestellt. 1996
kam mit dem Boxster ein echter Roadster, der bei der Presse und den
Kunden auf viel Zustimmung stieß. Die 911-Baureihe wurde
weiterentwickelt und im Jahr 2002 stieß Porsche mit dem
Cayenne in ein völlig neues Marktsegment vor. Heute ist der
Produktmix der drei Modellreihen sehr ausgeglichen, d.h. im
vergangenen Geschäftsjahr betrug der Anteil der Sportwagen
rund zwei Drittel des Gesamtabsatzes von 96.794 Fahrzeugen.
Einheitlicher Markenauftritt
Bei Vertrieb und Werbung setzte Porsche auf eine
einheitlichen Corporate Identity, die sukzessive in allen
Märkten umgesetzt wurde. Aus dem noch heterogenen Auftritt zu
Beginn der 90er Jahre, bei dem sich die Marke von Markt zu Markt
unterschiedlich präsentierte, entwickelte sich so ein
stimmiges Gesamtbild. Die Händlerbetriebe wurden offiziell zu
"Porsche Zentren", die sich heute weltweit einheitlich
mit silberner Fassade und rotem Schriftzug sowie der markanten
Rotunde präsentieren. Und auch die Werbung wurde harmonisiert:
"Früher hatte zum Beispiel unser Werbeauftritt in Japan
wenig mit dem in den USA gemeinsam. Heute sieht eine Printanzeige
in Tokio auf den ersten Blick genauso aus wie in New York",
erläuterte Schlegel.
Als weiteres wichtiges Instrument hat sich die Website der
Marke etabliert, die inzwischen über 30 Millionen Klicks pro
Monat verzeichnet. Gerade bei der Einführung neuer Modelle
spielt sie eine wichtige Rolle. In "Webspecials"
können (potenzielle) Kunden alle Informationen über das
neue Auto abrufen und die "Faszination Porsche" auch
emotional erleben. In seinem Vortrag sandte Schlegel auch positive
Signale an die Printindustire: "Klassische Printprodukte
bleiben für uns ein wichtiges Marketinginstrument -
insbesondere am Point of Sale." So lassen die Zuffenhausener
allein in Deutschland jährlich 190.000 Preislisten und
weltweit rund 1,8 Millionen Kataloge drucken.
Die Faszination erleben
Abgerundet wird der Marketingmix durch eine Reihe von
"Below the line"-Aktivitäten. So hat Porsche etwa
mit dem Carrera Cup in den USA sein Engagement im Motorsport wieder
verstärkt. Am Produktionsstandort Leipzig unterhält das
Unternehmen zudem ein Kundenzentrum. Hier können Kunden und
Gäste beim Fahrertraining, bei Veranstaltungen und
Werksbesichtigungen die Faszination der Marke erleben - ein
Angebot, von dem inzwischen jährlich rund 50.000 Besucher aus
aller Welt Gebrauch machen. Enge Kontakte unterhält Porsche
auch zu den Vertriebspartnern und Mitarbeitern der internationalen
Vertriebsgesellschaften: Neben internationalen Veranstaltungen gibt
es im Vorfeld von Neueinführungen regelmäßig
außergewöhnliche Launch-Events für die
Vertriebspartner und Mitarbeiter. "Wir möchten so unsere
Begeisterung an unsere Vertriebspartner und damit letztlich an
unsere Kunden weitergeben", betonte Schlegel.
Diese Anstrengungen machen sich bezahlt: Heute verfügt
Porsche über ein internationales Netzwerk mit zwölf
Tochtergesellschaften und ist weltweit auf 102 Märkten
präsent. Gerade in Wachstumsmärkten wie China oder
Russland wächst die Zahl der Porsche Zentren in rasantem
Tempo. Porsche ist dadurch von den Schwankungen einzelner
Märkte unabhängiger. Ebenfalls breit gefächert
präsentiert sich die Produktpalette: Vom Boxster über den
Cayenne bis zum Carrera hat das Unternehmen ein passendes Angebot
für jede Lebensphase seiner Kunden. Mit dem Panamera ist zudem
eine weitere Reihe am Horizont, die die Zielgruppe der "Best
Ager" bedienen soll. Der Schritt vom Macho-Image zu einer
einheitlichen Marke mit sozialer Akzeptanz ist also gelungen, ohne
dass die Exklusivität der Marke gelitten hat. Mehr denn je
wird heute Porsche damit dem Diktum des Begründers der
Sportwagenmarke, Ferry Porsche gerecht: "Am Anfang schaute ich
mich um, konnte aber den Wagen,
von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich,
ihn mir selbst zu bauen."
Kontakt
Heidelberger Druckmaschinen AG
Print Media Academy
Kurfürsten-Anlage 52-60
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Tel.: +49 (0)6221 92 24 01
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