2. Marketing-Dialog in Heidelberg: "Print hilft - vor allem der Marke"
Fachteilnehmer aus dem Agentur-, Marketing- und Print-Bereich
erlebten am 27. April 2005 in der Print Media Academy einen
spannungs- und ideenreichen Vortrag von Andreas Weber. Der
Journalist und Kommunikationsexperte hat für Sie den Inhalt
seines Vortrags hier zusammengefasst.
Wie sich auch in Krisenzeiten neue Geschäftsfelder
erschließen lassen
"Print wirkt" und "Print gewinnt" -
"Printmedien erleben ihre größte Krise".
Polarisierender können Aussagen wohl kaum sein. Zumal, wenn
sie fast gleichzeitig aufeinanderprallen. Print ist offensichtlich
zwischen die Fronten geraten. Die einen setzen marketingorientiert
auf die Wirkung von Print durch Bilder, Texte, Farben, Brillanz des
Drucks und haptisches Erleben. Die anderen reden kaufmännisch
geprägt über Printmedien als Träger eines in die
Krise geratenen Geschäftsmodells, das die Maximierung von
Werbeeinnahmen mithilfe von Zeitungen und Zeitschriften zugrunde
legt.
Diese Widersprüchlichkeiten setzen sich fort. Die
Ausgaben für Werbung gehen seit dem Jahr 2000 zurück oder
stagnieren. Werbung finanziert aber Printmedien direkt und indirekt
zu über 70 Prozent. Daher sind die Printverlage in eine
nachhaltige Struktur-Krise geraten. Gleichzeitig steigt der
Verbrauch von bedruckten Papier: bis 2015 wird sich im Vergleich zu
1970 die weltweite Nachfrage nach Papier von rund 130 auf über
450 Millionen Tonnen per anno einpendeln. Ein wichtiges Indiz
dafür, dass Print weiterhin eine dominante Rolle spielt.
Organisationen wie der Verband Deutscher
Zeitschriftenverleger VDZ werden nicht darum nicht müde,
für Printmedien eine Lanze zu brechen. Zeitschriften und
Zeitungen bieten die höchsten Erlösmöglichkeiten als
Medienplattform und stehen somit im Brennpunkt. Weltweit wurden
2003 über 320 Milliarden Euro mit Verlagserzeugnissen
umgesetzt. In ihrem Schatten tummeln sich aber eine Vielzahl
sogenannter Akzidenzdrucksachen, die außerhalb des
Verlagsgeschäftes die Wirtschaft in Schwung halten. Ihr Umsatz
betrug global im Jahr 2002 rund 513 Milliarden Euro.
Diese Zahlen sprechen für sich. Und erlauben eine klare
Feststellung: Ohne diese Akzidenzen wäre unser Leben nicht zu
organisieren oder zu gestalten. Briefpapier, Visiten- und
Grußkarten, Ausweisdokumente, Urkunden, Flyer, Prospekte,
Broschüren, Plakate, Geschäftsberichte und vieles mehr
finden als Kommunikationsmittel rund um die Uhr Anwendung. Nicht
alle Druckproduktgattungen sind aber auch zukunftssicher. Extrem
resistent, weil unersetzbar, gestalten sich die Segmente
Verpackungen und Ettiketten, die über 20 Prozent des
weltweiten Druckvolumens ausmachen. Gefährdet hingegen zeigen
sich Telefonbücher und andere Verzeichnisse, Handbücher,
Formulare (Anteil weniger 5 Prozent). Hier verlagert sich viel zu
elektronischen Medien und dem Internet.
Die Druckbranche muss erkennen, worum es geht, will sie sich neue
Geschäftspotenziale erschließen. Daher mein Hinweis: Dem
Thema Markenführung kommt heute, in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten, eine Schlüsselrolle zu. Es ist gleichzusetzen mit
Existenzsicherung. Klar ist: Marken profitieren tagein, tagaus von
Printmedien. Ob über Zeitungen, Zeitschriften,
Geschäftsberichte, Imagebroschüren oder Bücher: kein
anderes Medium spricht mehr Menschen so erfolgreich an. Printmedien
sind unser wichtigster Informationsträger. Schrift und Bild
verdanken wir unsere Kultur. Print hilft, Markenbilder zu schaffen
und dauerhaft zu etablieren. Gedruckte Markenzeichen verhelfen
Marken zum Leben.
Printmedien verschaffen Präsenz, zu jeder Zeit, an
(fast) jedem Ort. Sie helfen Markenwerte zu transportieren und
Markenwelten begreifbar zu machen. Printmedien erlauben, Ideen und
Gedanken in reichhaltiger Form zu vervielfältigen und durch
den Leser in Besitz zu nehmen. Für Werber ist entscheidend,
Markenerleben für den Verbraucher zu emotionalisieren.
Printmedien rühren uns an. Ein qualitätvolle Optik
und das haptische Erleben im Umgang mit Papier machen Drucksachen
und ihre Inhalte zur Besonderheit. Printmedien schaffen - ohne
dass wir uns dessen bewusst sind - die effektivste Basis
für eine dauerhafte Beziehung. Sie festigen die Markentreue.
Und last but not least: Printmedien verschaffen nicht nur
Kult-Marken hohe Aufmerksamkeit. Marken nutzen Print, um sich
dauerhaft in Szene zu setzen.
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Fax: +49 (0)6221 92 49 29
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